Haben Sie ne Payback-Karte

Dezember 4th, 2009

und nehmen Sie mal Ihre Tasche hoch?

Kaum ein Einkauf vergeht, bei dem ich nicht nach meiner Payback-Karte gefragt werde. Wahlweise: „Sammeln Sie Treue-Punkte?“
„Nö, lohnt sich nicht, mein Mann zählt die eh nie nach!“

Nun mag es noch angehen, dass Unternehmen versuchen, via Einsparungsversprechen eine Kundenbindung herzustellen. Ich erinnere mich an die Rabattmarken in den 60er, 70er Jahren. Man bekam für jeden Einkauf, abhängig von der zu zahlenden Summe, Rabattmarken ausgehändigt, die man in ein Heftchen klebte. War das Heftchen voll, gab’s Rabatt. Einfach, anonym, einsichtig. Schlicht und ergreifend.

Ist man heutzutage mit Payback- oder Kundenkarte unterwegs, kann man sich sicher sein, zusätzlich zu den tollen Angeboten auch massenweise Post zu bekommen. Nicht, dass ich mich nicht freue, wenn der Briefkasten voll ist mit wohlwollenden Briefen, Glückwünschen und Einladungen. Auf Werbetrash verzichte ich hingegen gerne. Sowohl haus-, wie auch strompost-technisch. Die SMS- und die e-mail-Werbung wurde nach einer Klage vom Verbraucherzentrale Bundesverband 2008 vom Bundesgerichtshof verboten. Immerhin. Die abgegebenen Daten dürfen aber weiterhin für beispielsweise Marktforschungszwecke verwendet werden.

Im vergangenen Jahr habe ich sämtliche Kataloge jener Firmen abbestellt, die glaubten, mich zumüllen zu müssen, nur weil ich dort mal etwas gekauft hatte. Abgesehen davon, dass diese Dinger teilweise kiloschwer sind und meist ungelesen im Altpapier landen, dauert mich der Briefträger, der den Mist durch die Gegend trägt. Nicht zu vergessen die Energie, die sowohl bei der Herstellung, wie auch bei der Entsorgung sprichwörtlich verblasen wird.

Was mich aber am meisten anekelt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der man sich die Unterstellung des Diebstahles gefallen lassen muß. Steht man im Supermarkt an der Kasse, gibt es zwei Varianten: „Würden sie bitte Ihre Tasche anheben?“ lasse ich mir, wenn auch ungerne, noch gefallen. Heißt der Satz aber „Sie müssen ihre Tasche anheben!“ antworte ich inzwischen mit: „Das muß ich nicht und das werde ich auch nicht!“.
Die Krönung ist allerdings eine neue Marotte, die ich bisher nur bei Edeka erlebt habe:

„Öffnen Sie bitte Ihre Tasche!“

Geht’s noch? Was bitteschön geht es eine Kassiererin, geschweige denn, die Kunden hinter mir an, was ich in meiner Tasche habe.
Man sollte in solchen Fällen den Fillialleiter kommen lassen. Dieser wird dann vor der, inzwischen recht langen, Warteschlange zugeben müssen, dass er nicht das Recht hat, in fremder Leuts Tasche zu schauen. Das darf noch nicht mal die Polizei.

Nun mag man denken: „Ich habe nichts zu verbergen. Sollen sie doch nachsehen!“ Ich hingegen habe zu verbergen. Beispielsweise die Tatsache, dass ich nicht kriminell bin und in Geschäften nichts mitgehen lasse. Das muß ich nicht beweisen!

Ich habe allerdings schon überlegt, ob ich mir nicht für solche Fälle meine Tasche mit Vibratoren, Handschellen und Viagra, Stecheisen, Schraubzwingen und Kontaktkleber, Tamiflu und Einwegspritzen, Vaginalpilzsalbe, Gasmasken und Entlausungsmittel vollstopfe. Blöd ist halt, dass meine Tasche dann schon vor dem Einkauf voll wäre. Ausserdem müßte ich, abgesehen von den Schraubzwingen, Stecheisen und dem Kontaktkleber, ein Heidengeld für Dinge ausgeben, die ich nicht brauche.

Aber die Gesichter würden mich schon interessieren. Ehrlich!

Die Frage „Verraten Sie mir Ihre Postleitzahl?“ oder einfach kurz „Postleitzahl“, verneine ich auch. Die Begründung „Es geht nur um eine Statistik“ beantworte ich mit
„eben!“.
Ich habe schon erlebt, dass sich die Kassiererin eine Zahl ausdenken mußte (Museumskasse im Holstentor zu Lübeck), damit sie mir überhaupt eine Eintrittskarte verkaufen konnte.

Neben all diesem payback-Karten-Müll dienen auch die Postleitzahlen dazu, Bevölkerungserhebungen durchzuführen. Wo wird wofür Geld ausgegeben, wo werden Sonderangebote, wo wird auf Pump gekauft. Da häufig die Telefonnummer mit dem Wohnbezirk gekoppelt ist, kann es passieren, dass man, nur weil man in der falschen Gegend wohnt, in Telefonhotlines nicht weitergeleitet wird. Es gibt Computerprogramme, die im Vorfeld aussieben, ob es sich lohnt oder nicht, den jeweiligen Kunden zu bedienen. Und dann kann man zusehen, wie die neue Waschmaschine repariert wird, bevor die Garantiezeit abgelaufen ist.

Wenn sich aber alle Postleitzahlenherausgebungsverweigerer zusammentäten, statt wütend „das geht Sie gar nichts an!“ zu moppern, könnte man richtig was in Bewegung setzen. Einigte man sich beispielsweise darauf, die Postleitzahl 19375 bereitwillig und ungefragt preiszugeben, gäbe man als Wohnort das Örtchen „Waterloo“ an. Das liegt östlich von Karstädt, im Dreieck Bremen-Berlin-Rostock, mitten im Outback Brandenburgs. Da ist, zumindest wenn man Google Maps glauben kann, genau gar nichts los. Der Hund begraben, end of nowhere, Feierabend.
Würden dann alle Mediamarkts, Kaufhofs, Ikeas und Obis anhand ihrer Recherchen sehen, dass der gemeine Waterlooer ständig durch die Lande reist, für einen Flachbildschirm nach Düsseldorf, den neuen Herrenduft nach München, ein Billy-Regal nach Stuttgart und ein paar Stichsägeblätter nach Dresden, würde dort wahrscheinlich ruckzuck ein riesiges Gewerbegebiet entstehen. Das schaffte Arbeitsplätze und Infrastruktur, kurbelte die Wirtschaft an und brächte uns endlich die seinerzeit von Kohl versprochenen „blühenden Landschaften“.

Zumindest in Waterloo!

Ich bin Aisha aus Somalia

November 24th, 2008

und ich wollte Euch von mir erzählen.

Ich bin Aisha, bin 13 Jahre alt und ich komme aus Kismayo in Somalia.
Seit vielen Jahren tobt in meinem Land der Bürgerkrieg. Das hat mir mein Papa erzählt. Was „Bürgerkrieg“ ist, weiß ich nicht genau. Ich glaube aber, dass es Länder gibt, in denen die Menschen ein angenehmeres Leben führen.
Bei uns ist alles schwierig. Oft haben wir Hunger. Ich würde gerne zur Schule gehen um Lesen und Schreiben zu lernen. Aber es gibt keine Schule. Jedenfalls keine, in die auch Mädchen gehen können.
Etwas lesen kann ich. Das hat Papa mir beigebracht. Und so lese ich die Worte, die mir in der Stadt begegnen. „Miliz“ oder „Moschee“ kann ich schon lesen.
Ein Haus haben wir leider nicht. Wir wohnen in einem Zelt vor der Stadt. Mama, Papa, meine Geschwister und ich.

Heute sagte meine Mama zu mir: „Geh zu Deiner Tante. Sie ist krank und Du mußt ihr helfen.“ Das hab ich gemacht. Ich bin schon 13 und ich weiß, wie man ein Zelt sauber hält und wie man Essen kocht.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, wollte ich schnell nach Hause gehen um die Gutenachtgeschichte nicht zu verpassen, die Mama immer meinem kleinen Bruder erzählt. Ich war noch nie so lange von zu Hause fort und ich muß mich beeilen, damit ich rechtzeitig komme.

Drei Männer kommen mir entgegen und ich bin froh, auf der Straße nicht alleine zu sein. Als sie neben mir sind, reißt einer an meinem Kopftuch und ruft:
„Runter mit dem Ding, Du Hure! Was hast Du hier alleine zu suchen?“

Ich sage ihm, dass ich bei meiner Tante war und ihr geholfen habe.
„Schlampe, Dir werden wir es besorgen!“

Und plötzlich ist er über mir. Er wirft mich auf den Boden und zerrt mir die Kleider vom Leib. Er reißt mir die Beine auseinander und wirft sich auf mich. Ich weiß nicht, was er da macht.
Es tut so weh.
Er stöhnt und schlägt mich immer wieder und irgendwann läßt er mich in Ruhe.
Ich versuche aufzustehen, aber da kommt der nächste Mann und macht das Gleiche mit mir.
Nach ihm noch einer.
Die ganze Zeit schreie ich um Hilfe, aber kein Mensch scheint mich zu hören.

Irgendwann sind sie weg.

Ich krieche auf allen Vieren nach Hause. Ich kann mich vor Schmerzen kaum bewegen.

Meine Familie ist in heller Aufregung. Sie haben mich schon vermisst. „Vergewaltigung“ schreit Mama. „Mein Kind ist vergewaltigt worden.“

Ich erzähle ihr alles. Von den Männern, den Schmerzen, dem Blut an meinen Schenkeln. Meinem Kopftuch, das ich verloren habe.

Papa geht mit mir zur Miliz. Da kann man zwar meine Schmerzen nicht heilen, man wird aber die Männer bestrafen. Das hat Papa mir gesagt. Männer dürfen Mädchen nicht so böse behandeln. Sonst kommen sie ins Gefängnis.

Denkt Papa.

Ich erzähle alles, was passiert ist.
Die drei Männer, die mich auf den Boden werfen, die mich ausziehen und mir dann weh tun.
So weh.

Und dann …

… muß ich da bleiben.

Ich werde eingesperrt.

Weil ich böse bin.

Ich habe das Unrecht begangen. Ich habe „ausserehelichen Geschlechtsverkehr“ gehabt.
Ich weiß gar nicht, was das ist.

Geschlechtsverkehr.

Ich lerne es in den nächsten Stunden. Geschlechtsverkehr ist das, was Mann und Frau machen, wenn sie verheiratet sind. Wenn sie das machen und nicht verheiratat sind, dann ist das Sünde.

Für die Frau.

Ich bin aber noch gar keine Frau.
Ich bin ein Mädchen.
Und das was die Männer gemacht haben, wollte ich gar nicht.
Aber ich bin schuld.
Und ich muß die Strafe auf mich nehmen.

Gleich ist es soweit.

Sie bringen mich auf einen Platz. Dort sind viele Menschen.
In der Mitte des Platzes ist ein Loch. So tief, dass man darin stehen kann.

Ich werde dort stehen.

Ich rufe: „Bitte tötet mich nicht!“

Aber sie stellen mich in dieses Loch und schütten es mit Erde zu. Nur mein Kopf schaut noch heraus.

Und einer ruft: „Steinigt die Sünderin!“

Und sie werfen Steine auf mich.
Auf meinen Kopf.
Ich höre Knochen brechen und spüre Schmerzen, die ich mir niemals vorzustellen wagte.

Und sie werfen weiter.
Und weiter.

Irgendwann hören sie auf. Sie graben das Loch auf, in dem ich stehe und ich denke: „Jetzt lassen sie mich in Ruhe.“

Sie graben mich aus. Eine Frau kommt, untersucht mich und ruft aus:
„Die lebt noch!“

Und sie graben mich wieder ein.

Und werfen die Steine auf das Mädchen, das von drei Männern vergewaltigt wurde.

Bis es tot ist.

Heute vor vier Wochen wurde Aisha Ibrahim Dhuhulow in Kismayo, Somalia auf brutalste Weise hingerichtet.

Zu ihrer Hinrichtung kamen viele Schaulustige. Aber auch Menschen, die gegen das Urteil protestierten. Aus den Protesten entbrannte ein Feuergefecht, bei dem ein kleiner Junge erschossen wurde. Dafür entschuldigte sich die Miliz.

Aber nicht für das Unrecht, das sie Aisha angetan hatten.

Feuchtgebiete

März 26th, 2008

Der Roman von Charlotte Roche

Vor zwei Wochen besuchte ich meine Schwester zu ihrem Geburtstag. Neben diversen anderen Dingen bekam sie das Buch “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche geschenkt. Nicht von mir, dafür aber gleich zweimal. Da ich von dem Buch schon gehört hatte, entschloß ich mich, ihr ein Exemplar abzunehmen.
Zwar wußte ich, dass es sich bei dem Buch nicht um einen Naturführer handelt (steht schließlich “Roman” drauf), ich war mir aber auch nicht sicher, ob der Titel tatsächlich das bedeutet, was ich glaubte. Fragte also, worum es bei der Geschichte denn wohl ginge.

“Um Aa!” sprach der Schwager.
“Aa?” fragte ich zurück.
“Ja. Und um Pipi auch!”
“Hmmm…” grübelte ich so bei mir.
“Na, ist vielleicht doch nichts für Dich!” gab die Schwester zu bedenken.

Ich grübelte noch etwas weiter, entschied mich dann aber doch, das Buch zu lesen. Schließlich hatte ich in meinem, immerhin schon 42 Lenze zählenden, Leben zwar schon reichlich Naturführer, jedoch noch nie ein Buch über Aa gelesen.
Und da dachte ich mir, es würde Zeit.

Der Inhalt des Romanes, der zur Zeit in der Spiegel-Bestsellerliste auf Platz 2 steht, dürfte relativ bekannt sein. Frau Roche tritt in Talk-shows wie das sprichwörtliche Mädchen vom Lande auf. Das Kleid hochgeschlossen, gerne schon mal mit Spitzen- oder Rüschenkragen, der Rock versehentlich sehr kurz und die Schuhe nur deshalb so hoch, weil gerade keine anderen zur Hand waren. Eine durch und durch wohlerzogene junge Dame, die schamhaft die Hände vor den Mund schlägt, wenn sie den Moderator unterbricht. Und dabei so gnadenlos sexy, dass es einem schier die Sprache verschlägt.

Frau Roche hat ihr Buch also in diversen Talk-shows vorgestellt und dabei den Inhalt in etwa so zusammengefasst:

Nach einer Anal-Fissur, die sich die Ich-Erzählerin Helen bei einer Intimrasur “unten hinten” zugezogen hat, landet sie im Krankenhaus und hat fürderhin ausgiebig Zeit, sich mit ihren diversen Körperöffnungen und -flüssigkeiten zu beschäftigen.

Der zweite Handlungsstrang wird bestimmt von Helens Kindheit. Ihre Eltern sind geschieden und Helen möchte sie wieder zusammenbringen. Damals konnte sie weder einen Selbstmordversuch der Mutter, der auch den kleinen Bruder mit in den Tod reißen sollte, noch die Trennung der Eltern verhindern. Diese Erlebnisse erklären ihr, zugegebenermassen ungewöhnliches, Verhalten im Krankenhaus.
Um die Eltern, die sich erfolgreich aus dem Weg gehen, wieder zu vereinen, scheut sie nicht davor zurück, sich ihre zwischenzeitlich verheilte Wunde am After unter Zuhilfenahme des Bremspedals des Krankenbettes wieder aufzureißen, weil sie so auf ein Zusammentreffen ihrer Eltern nach der Notoperation hofft. Leider kommen die Eltern nicht nur nicht zusammen, sondern gar nicht, und so verläßt Helen nach 220 Seiten das Krankenhaus mit dem Pfleger, den sie liebgewonnen und der ihre Operationsnarbe zuvor fotographiert hat.

Wenn sie sich gedanklich gerade nicht um ihre Eltern kümmert, beschäftigt sie sich mit ihrem Körper.
Mental und praktisch.
Sie läßt uns teilhaben an Form und Größe ihrer Hämorrhoiden, an Aa und Pipi, an Rasur- und Masturbationstechniken, die mich manchmal beim Lesen die Beine haben übereinanderschlagen lassen (nicht vor Scham, sondern weil mir alleine das Lesen schon Schmerzen bereitet hat), darüber, wie man im Krankenhaus seine Keime verbreiten kann (ein selbstgebasteltes, benutztes Tampon auf dem Geländer im Fahrstuhl positionieren) und dass man Wimpernzangen auch ganz prima dazu verwenden kann, dem Liebhaber wirklich tiefe Einblicke in “die Muschi” zu gewähren.

Häufig war ich kurz davor, das Buch zur Seite zu legen. Manche Dinge wollte ich von Helen nicht wissen. Geschweige denn lesen und mir vorstellen.
So hat Helen einmal gehört, dass eine Frau sich so oft beim Pizzalieferservice über die Verspätung beschwert hat, dass der Pizzataxifahrer mit seinen vier Freunden zur Strafe auf die Pizza onaniert und diese danach ausgeliefert hat. Auch Helen bestellt beim Pizza-Taxi und ruft schon nach wenigen Minuten an, um sich zu beschweren. Immer in der Hoffnung, sie bekäme auch mal diese ganz spezielle Quattro Stagioni.

Und dass Helen sich sämtliche (!) Körperausscheidungen unter ihren Fingernägeln trocknen läßt um sie später genußvoll abzuknabbern, ist auch nicht meins.

Was mich aber zutiefst beeindruckt hat, ist die Offenheit, mit der Frau Roche unterwegs ist.
Viele Dinge, die sie ausspricht, habe ich mal angedacht, einige nicht zu denken gewagt, und ein Großteil ist mir völlig fremd. Vieles ist hier zu lesen, das man meist heimlich denkt, aber nicht ausspricht. Für Vieles müssen allgemeintaugliche Begriffe gefunden werden.

“Du könntest mich auch mal an dem Dings anfassen, oder da, Du weißt schon, mal so anders vielleicht.”

Themen, die uns alle beschäftigen, müssen in sprechbare, verständliche Worte gefasst werden können.

Ein Grund, vielleicht sogar der Hauptgrund, warum Frau Roche dieses Buch geschrieben hat, ist der übertriebene Kult, der um die Pflege des weiblichen Körpers betrieben wird. Die Vorgaben, wie man (frau, muß ich in diesem Falle sagen) den eigenen Körper zu behandeln und zu verändern hat.
Die Werbung suggeriert uns Frauen, dass wir nur dann Frau sind, wenn wir wie Mädchen aussehen (nämlich nahezu überall rasiert) und wenn wir nicht mehr riechen wie Menschen.
Sich morgens zu waschen, reicht für eine Frau nicht aus.
Damit sie auch abends noch begehrenswert ist, muß sie sich die Achselhaare auf jeden Fall ganz, die Schamhaare in Form und Haare “unten hinten” auch komplett weg rasieren. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es Frauen, die sich sogar die Haare an den Unterarmen entfernen.

Diese, im wahrsten Sinne des Wortes “Offenlegung” der Tatsachen führt zu völlig absurden Folgeerscheinungen, wie beispielsweise dem Anal-bleaching. Sind die Haare “unten hinten” erst mal weg, ist der Blick frei auf die Rosette. Diese ist allerdings mitnichten rosa, sondern bräunlich. Bräunlich ist aber bähbäh, deshalb muß die Bleiche ran.

Ein weiteres Novum in der Schönheitschirurgie ist das Verkürzen der kleinen Schamlippen. Sieht man diese nach der Intimrasur, werden sie als störend empfunden und somit dem Chirurgen zur Korrektur übergeben.
Ist dann endlich alles rasiert und gebleacht, ist hoffentlich die Slipeinlage noch taufrisch, damit man abends nicht so riecht, als wäre man schon morgens aufgestanden.

Und wenn es dann endlich zur Sache geht, machen wir das Licht aus.

Helen empfiehlt, statt teuren Parfums, sich das körpereigene Smegma hinter die Ohrläppchen zu tupfen. Dann machen auch die Reaktionen der männlichen Begleiter viel mehr Spaß.

Das Buch ist mit Sicherheit nichts für zartbesaitete Frauen. Den Männern kann es (O-Ton) “als Wichsvorlage dienen, bei der man noch etwas über den weiblichen Körper lernt”.

Versucht man aber dieses Buch nicht nur pornographisch, sondern auch feministisch zu sehen, liest es sich plötzlich ganz anders. Es ist dann nicht mehr eklig, sondern schlichtweg überzeichnet. Und die Stellen, die einem zu intim oder zu weit hergeholt erscheinen, sollte man so überlesen, wie entsprechende Stellen bei Klaus Kinski. In seiner Biographie hat er beispielsweise beschrieben, wie er in einer Nacht etwa 70 Orgasmen hatte. Da blättert man weiter, grinst sich eins und denkt sich seinen Teil.
Ähnlich habe ich es gehalten, als Helen darüber berichtet, wie sie nach exessivem Drogenkonsum alle Pillen in einen Eimer ausspuckte und diese mit ihrer Freundin wieder …

weiterblättern.

Ich bin froh, das Buch durhgelesen zu haben, empfehle es guten Gewissens weiter, empfehle aber zusätzlich zum Verständnis Frau Roches Interviews beispielsweise bei Youtube.

Alles wird gut

Januar 6th, 2008

Geheime Pläne aus Bedburg-Vluyn aufgetaucht

Monatelang habe ich mich kaum aus dem Haus gewagt.
Weil ich Angst hatte.
Ich war mir nicht sicher, wovor ich Angst hatte, aber ich hatte sie.
Von morgens bis morgens und ununterbrochen.
Auf Wegen, auf Plätzen, in der Bahn, auf dem Klo.
Jeder Einkauf wurde zum Horrortrip, jeder Liter Milch zum Stolperstein. Der Hund mußte auf dem Balkon stoffwechseln und zum Krankschreiben mußte der Arzt einen Hausbesuch bei mir machen. Die Pflegeversicherung mußte für Wäschewechsel und Brot sorgen. Ich konnte nicht mehr arbeiten.

Denn:
ich hatte Angst!
Angst vor dem Leben,
der Welt
und der Schule.
Eine unbeschreibbare, undefinierbare Angst vor dem …

… Tja!
Aber das ist nun endlich vorbei.
Jetzt weiß ich, wovor ich mich die ganze Zeit gefürchtet habe:
“Es kann doch nicht sein, wenn eine Minderheit der Mehrheit Angst macht” hat Angela gesagt. Und da hat sie recht, denn der Roland hat’s auch gesagt.
Ich hatte Angst vor
der Jugend.
Bis Dezember habe ich mein Geld mit ihnen verdient, habe sie beschult und zum Kaffee eingeladen.
Aber dann habe ich Nachrichten gesehen und gewußt:

Die sind böse.
Alle.
Also zumindestens alle, die böse sind.
Und das sind etwa 5 Prozent.
Also etwa die Hälfte.

Das Tolle ist: die wollen mir helfen. Helfen, meine Angst zu besiegen.
Das finde ich total nett. Von der Angela. Und vom Roland auch.

Die haben sich nämlich überlegt, dass sie die jetzt wegsperren. Die Jugendlichen.
Also nicht die Angela und den Roland.
Die kommen jetzt dahin, wo sie hingehören.
Nach Bedburg-Vluyn.
Das liegt an der deutsch-sibirischen Grenze.
Und da sollen die lernen, wo der Hase hängt und wo der Hammer hinläuft.

Die, also Angela und Roland jetzt, haben sich nämlich dran erinnert, was einer mal gesagt hat.
Einer, der wußte, wovon er sprach:

“Es ist ein Unsinn, zu glauben, daß mit dem Ende der Schulzeit das Recht des Staates auf die Beaufsichtigung seiner jungen Bürger plötzlich aussetzt, um mit der Militärzeit wieder zu kommen. Dieses Recht ist eine Pflicht, und als solche immer gleichmäßig vorhanden. Der heutige Staat, der kein Interesse an gesunden Menschen besitzt, hat nur diese Pflicht in verbrecherischer Weise außer Acht gelassen. Er läßt die heutige Jugend auf Straßen und in Bordellen verkommen, statt sie an den Zügel zu nehmen und körperlich so lange weiter zu bilden, bis eines Tages ein gesunder Mann und ein gesundes Weib daraus erwachsen sind.
In welcher Form der Staat diese Erziehung weiterführt, kann heute gleichgültig sein, das wesentliche ist, daß er’s tut und die Wege sucht, die dem nützen.”*

Und da ist der Roland nach Diemelstadt zum Lothar gefahren und hat sich dessen Camp angeschaut. Der Lothar war selber mal einer, vor dem man Angst haben mußte. Aber jetzt ist der ganz lieb. Und der macht auch alle Jugendlichen ganz lieb.
Und der Roland hat sich das angeschaut und gedacht:

“Toll!” hat sich der Roland gedacht, “da mach ich Wahlkampf mit. Weil mir sonst nichts einfällt.” Und dann hat der Roland der Angela einen Brief geschrieben.

“Liebe Angela,
ich finde, die Jugendlichen sollten alle in so Camps, wie in das von dem Lothar. Dann sind wir die Verantwortung los, können uns die Ergebnisse zurechtschustern, wie wir sie brauchen und ansonsten erst mal Pause machen. Und ich hab Dir mal was kopiert, was belegt, dass das total toll ist, was der Lothar da macht:

“Es dürfte kein Tag vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vormittags und abends mindestens eine Stunde lang körperlich geschult wird … Hierbei darf insbesondere ein Sport nicht vergessen werden, der in den Augen von sehr vielen .. als roh und unwürdig gilt: das Boxen. Es ist unglaublich, was für falsche Meinungen darüber in den “Gebildeten”-Kreisen verbreitet sind. … Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in gleichem Maße fördert, blitzschnelle Entschlußkraft verlangt, den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht.”**

Na, dann ist doch alles ganz einfach. Der Lothar macht die Arbeit, der Roland versteht alles falsch, Angela hält ihm die Stange, alles bleibt beim alten und wir konnten das Winterloch mit Pseudopolitik füllen.
Und wenn die Kids dann alle immer boxen, hab ich auch keine Angst mehr.
Dann kann ich wieder in Ruhe einkaufen gehen. Und wenn die lange genug gedrillt wurden, tragen sie mir bestimmt auch die Tüten nach Hause.

Jetzt hätte ich fast vergessen, die Quelle zu nennen. Das war natürlich:
“Mein Kampf” von Adolf Hitler, 1933, 78. – 84. Auflage, * Seite 458 und ** Seite 454

Es war doch nicht alles schlecht, oder?

Der Countdown für das Bürgerbegehren “Der Jan-Wellem-Platz gehört uns allen” läuft

November 26th, 2007

PLATZDA! war gestern

Vor etwa sechs Jahren (vielleicht auch 2003 oder 2004, da sind sich die Macher der homepage der Landeshauptstadt scheinbar uneinig) startete Düsseldorf die Aktion PLATZDA!. Ziel war und ist, ich zitiere das Stadtplanungsamt:

“Was wäre eine Stadt ohne ihre Plätze?

PLATZDA! steht für die Gestaltung der Düsseldorfer Plätze und ist eine Initiative des Stadtplanungsamtes Düsseldorf. PLATZDA! diskutiert Plätze, bespielt Plätze und erarbeitet Konzepte für den Bau von Plätzen. Die interdisziplinären Planungsprozesse werden begleitet durch die öffentliche Diskussion. PLATZDA! regt an, über den Lebensraum “Stadt” neu nachzudenken, ihn wieder in Besitz zu nehmen.

Die Aktion will Folgendes erreichen:
- Bewusstsein schärfen für den öffentlichen Raum
- Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in Planungsprozesse einbeziehen
- Akteure und Projekte bündeln; d. h. PLATZDA! setzt auf Kooperationspartner
- Düsseldorfer City-Plätze als Netzwerk begreifen
- alternative Finanzierungsmodelle finden und etablieren
- die Bespielung von Plätzen als Erprobung für die künftige Nutzungen.

Auf dem gemeinsamen Weg des Stadtumbaus übernimmt das Stadtplanungsamt hierbei die Rolle des Moderators und Koordinators von Prozessen. “

Eine schöne Idee, solange der Bürger keinen Gebrauch davon macht. Denn unser Oberbürger hat sich mal wieder entschlossen, etwas ganz Großes anzupacken. Nämlich:

Der bekannteste Platz Düsseldorfs soll verschwinden!

Der Jan-Wellem-Platz soll an die Privatbank Trinkaus & Burkhard verkauft werden, die auf ebendiesem Platz ein schnuckeliges 28 Meter hohes und den ganzen Raum einnehmendes Bürohaus bauen will.

Nun ist es sicherlich überzogen zu behaupten, der Jan-Wellem-Platz hätte es je nötig gehabt, bei der Aktion PLATZDA! erwähnt zu werden. Er muß nämlich mitnichten wieder in Besitz genommen werden. Kaum ein anderer Platz in Düsseldorf ist derart von den Bürgern der Stadt in Besitz genommen, wie ebendieser. Als Straßenbahn- und Busverkehrsknotenpunkt ist er jedem Düsseldorfer ein Begriff. Er verbindet die Fußgängerzone mit dem Rest der Einkaufsmeile, gibt den Blick frei auf den Hofgarten, beheimatet unter anderem einen der Weihnachtsmärkte und wird überdacht von einem einzigartigen Bauwerk, dem sogenannten “Tausendfüßler”. Dieser ist eine Hochstraße, die, zugegebenermaßen, vor ihrem Bau zu einer Gegendemonstration mit 10000 Menschen geführt hat. Diese Demonstration bewirkte, dass der ursprüngliche Bauplan geändert wurde (Quelle: wikipedia).
Die Düsseldorfer hatten also schon 1961 das “Bewusstsein für den öffentlichen Raum”, das heutzutage so vehement gefordert wird. Seit Dezember 1993 steht er nun unter Denkmalschutz (Kategorie “Technische Denkmäler”).
Dieser Schutz kann und wird aber durch einen Mehrheitsbeschluß im Düsseldorfer Stadtrat aufgehoben werden, wenn sich unser Ober-Erwin mal wieder durchsetzt. Abgesehen von seiner ausgefallenen und für eine Hochstraße filigranen Architektur, ist der Tausendfüßler auch die einzige Hauptverkehrsader der Stadt, auf der es nie zähfließenden Verkehr, geschweige denn Stau gibt. Es macht Spaß, ihn zu überqueren und die Innenstadt mal von oben zu sehen.

Bald aber sollen wir uns die Radieschen, bzw. die Stadt von unten ansehen, weil unser Ober das Bauwerk abreißen und statt dessen einen Tunnel bauen will. Die ganze Chose soll, nach Abzug des Verkaufserlöses übrigens um die 100 Millionen (100000000) Euro kosten.
Und an der Baustelle wird ein Schild stehen, auf dem nicht, wie früher, zu lesen ist “Hier baut die Stadt Düsseldorf”, sondern, wie es sich in den letzten Jahren “eingebürgert” hat:
“Hier baut der Oberbürgermeister Joachim Erwin”.

Nun aber schlägt der Bürger zurück. Eine Initiative mit dem Namen “Der Jan-Wellem-Platz gehört uns allen” hat es sich zum Ziel gesetzt, ein Bürgerbegehren zu erwirken (wir erinnern uns: “Bürgerinnen und Bürger frühzeitig in Planungsprozesse einbeziehen” und “Bewusstsein schärfen für den öffentlichen Raum”), damit über den Verkauf des Jan-Wellem-Platzes entschieden wird. Hierfür sind 13600 Unterschriften nötig, bis Freitag waren es 9500. Wenn mein alter Freund Max Riese mich nicht im Stich gelassen hat, schätze ich grob auf 4100 Unterschriften, die noch fehlen. Und die Zeit drängt.
Jeder, der in Düsseldorf kommunalwahlberechtigt ist, kann unterzeichnen, muß dieses allerdings handschriftlich tun.

Man kann sich Listen unter www.unser-jan-wellem-platz.de herunterladen und an eine angegebe Adresse schicken, mich besuchen oder aber an folgenden Terminen zu den Info-Ständen gehen:

Mi 28.11. – Do. 29.11.2007 ab 19.00 Uhr – vor der Tonhalle

Di/Mi 27./28.11.2007 abends – vor der Vorstellung – Schauspielhaus

Do, 29.11.2007 / 11.00 – 13.00 Uhr / Zoo – Rethelstraße

Do 29.11.2007 / 9.00 – 11 Uhr – am ehemaligen Arbeitsamt – Luisenstraße

Fr 30.11.2007 / 9.00 – 11 Uhr – Unterbilk – Friedensplätzchen

Sa, 1.12.2007 / 10.00 – 13.00 Uhr / Benrath – Marktplatz

Sa 1.12. – 10.00 – 13.00 Uhr – Nordstraße

Sa 1.12. – ab 9.00 Uhr – Kaiserswerth

Sa 1.12. – 10.00 – 15.00 Uhr – Altstadt – Mittelstraße

danach ist Schluß!

Um der ganzen Geschichte noch die Krone aufzusetzen, lege ich folgende Meldung nach:

“Die von der Stadt Düsseldorf 2003 ins Leben gerufene Aktion “PLATZDA!” ist im Rahmen des Bundesforschungsprojektes “Lebenswerte Innenstädte – Initiativen die bewegen!” mit einem Preis ausgezeichnet worden…

…Die Initiative PLATZDA! wurde entwickelt, um die Aufenthalts- und Gestaltqualität der 200 großen und kleinen Plätze der Innenstadt und der Stadtteile langfristig zu sichern…

…Im fünften Jahr möchte das Stadtplanungsamt testen, ob die Eigeninitiativen sich verselbstständigt haben. Dabei unterstützt sie Initiativen nach wie vor beim Genehmigungsverfahren. Da sich die Stadt als Impulsgeber und Moderator für diesen Prozess versteht, möchte sie feststellen welche Unterstützungsformen notwendig sind, um eine lebendige Platzkultur in Düsseldorf nachhaltig aufrecht zu erhalten.

Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf, Amt für Kommunikation

Aufruhr im Märchenland

Oktober 29th, 2007

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Für Sigi

Vor etwa zwei Jahren fing die Rote an, durchs Märchenland zu wandern. Sie selbst kam ursprünglich aus dem Menschenreich.
“Menschenreich”, ein Wort, das hier schon fast in Vergessenheit geraten war. Nur die ganz Alten kannten noch ein paar Geschichten.
“Da wohnen die, die nicht an uns glauben” wurde gemunkelt.
Was für ein Unfug, denn was war schon echter als das Märchenland?

Nun, es hatte bisher kaum jemand gewagt, die Grenzen zu überschreiten. Ausser einigen Wenigen, die dies nicht freiwillig taten. Sie wurden angeblich aus ihrer Welt herausgelesen. Die Begriffe “Tintenherz” und “Tintenblut” zu nennen, wagte keiner, der auch nur einen Funke Verstand hatte. Aber, wie gesagt, einige Wenige gingen fort und noch weniger kehrten je zurück.

Umso erstaunlicher war das Erscheinen der Roten. Sie war plötzlich da.

Das erste Mal fiel sie im “Salon Rapunzel” auf. Sie kam zum Haarefärben. Niemand hatte vor ihr die Farbe “Luziferrot” verlangt. Luziferrot ist so blutrot, wie Schnee weiß und Ebenholz schwarz ist. Deshalb war Rapunzel anfänglich auch vorsichtig und versuchte es mit einer anderen Farbe. Schließlich hatte sie einen Ruf zu verlieren.

“Was soll denn diese Hennascheiße? Wenn ich “Luziferrot” sage, dann meine ich auch “Luziferrot”!” wütete die Rote. Zerknirscht unternahm Rapunzel den zweiten Versuch. Nachdem sie die Fremde gefärbt und gefönt hatte und das Ergebnis sah, versteckte sie sich hinter der Wanduhr, weil sie Angst vor der Reaktion hatte.

“Großartig! Das nenn ich rot! So und genau so wollte ich das haben. Das hat niemand geschafft, bei uns im Menschenre…” und schlug sich auf den Mund.
Mannomann, fast hätte sie sich verraten. Das war ja noch mal gut gegangen.
Dachte sie.

Was sie aber nicht bemerkt hatte, war, dass sich eines der sieben Geisslein in der Wanduhr versteckt hatte und dem geschäftigen Treiben interessiert lauschte.
Sofort rannte es nach Hause und fragte die Mutter:
“Mama, was ist das Menschenre…?”
“Psst, bist Du sofort still! Woher hast Du dieses Wort?”
“Menschenre….? Hab ich bei Rapunzel gehört, da war heute eine Frau, die hat das gesagt. Was bedeutet das?”
“Das bedeutet, dass sie aus dem Menschenreich kommt. Das ist ein Land weit weg von hier. Keiner weiss, wo es liegt. Und es ist bestimmt GEFÄHRLICH! Du darfst mit niemandem darüber sprechen! Auf gar keinen Fall! Sonst wasche ich Dir den Mund mit Seife aus.”

“Na, immer noch besser als Kreide zu fressen.”, dachte das Kleine. Und jedermann weiß, was Kinder tun, wenn ihnen etwas verboten wird. Sie tun es erst recht.
Ganz heimlich natürlich.
Klein-Geisslein machte sich also auf zu seinen Freunden den drei Schweinchen.
“Wißt Ihr was, …, aber Ihr dürft nicht darüber reden!”

Es kam, wie es kommen mußte. Nach zwei Tagen wußte das ganze Märchenland bescheid.
Ein Mensch war eingedrungen. Eine nicht einzuschätzende Gefahr!

Man beschloß, den Großen Rat einzuberufen.
Zum ersten Mal seit Märchengedenken kamen alle dorthin. Man beriet hin und her. Fürs und Widers. Pros und Kontras.
War sie eine Gefahr?
Was konnte sie anrichten?

“Sie kann noch nicht mal zaubern” sagte die Hexe.
“Und sie kann keine Kräutlein sammeln” gackerte die Gans.
“Sie kann kein Stroh zu Gold spinnen” bemerkte die Müllerstochter.
“Sie…” prustete der Esel, “sie kann keine Dukaten kacken!”
“Und sie kann auch keine Taler in ihrem Nachthemd auffangen” fügte Sterntaler hinzu.
“Wahrscheinlich muß sie sogar selber kochen” kicherte das Tischlein-Deck-Dich.
“Und wenn sie mich küsst, bleibe ich ein Frosch” jammerte der Frosch.
“Und fliegen kann sie auch nicht!” klingelte Glöckchen.
“Kann sie denn wenigstens Betten machen?” fragte Frau Holle.
“Was genau bezweckst Du denn jetzt mit dieser Frage?” ereiferte sich Goldmarie.
“Wenn nicht, lad ich sie mal zum Kaffee ein” entgegnete Pechmarie.
“Kaffe? Pah. Bei meiner “Nicht-Geburtstags-Feier gibt es immer Tee.” sagte der verrückte Hutmacher.
“Wie sieht die eigentlich aus?” interessierte sich die Böse Königin.
“Das wüßtest Du wohl gerne” konterte der Spiegel.
“Wenn sie singen könnte, dann wäre sie bestimmt beim letzten Casting aufgetaucht” gröhlten die Bremer Stadtmusikanten.
“Casting? Was für ein Casting?” fragte der Rabe und liess mal wieder seinen Käse fallen.
“Um wen geht es eigentlich?” wunderte sich Hans-Guck-In-Die Luft.
“Na um die Rote!” trällerten Schneeweißchen und Rosenrot.
“Rot, Rot. Ich hör immer nur Rot! Seht Euch meine Lippen an. Die sind Rot!” wetterte Schneewittchen.
“Kann sie denn wenigstens Linsen sortieren? Ich hab im Moment so wahnsinnig viel zu tun” jammerte Aschenputtel.
“Hör auf, von Linsen zu sprechen. Ich bin am ganzen Körper grün und blau.” beschwerte sich die Prinzessin auf der Erbse.
“Eine Prinzessin ist sie jedenfalls auch nicht. Du jammerst ja schon, wenn Du auf einer Erbse liegst. Die Rote hatte neulich einen Muskelfaserriß und hat sich nichts anmerken lassen!” dozierte Professor Habakuk Tibatong.
“Also, von Mode hat sie bestimmt keine Ahnung! Seht Euch mal meine neuen Kleider an.” rief der Kaiser dazwischen.
“Zieh Dir mal lieber selber was über, Du alter Exhibitionist. Schließlich sind Kinder hier.” meckerte die alte Geis.
“Was für eine Schuhgröße hat sie?” fragte der gestiefelte Kater.
“Ist doch völlig wurscht, meine Siebenmeilenstiefel passen jedem!” bemerkte der Kleine Däumling.
“Weiß eigentlich jemand, wie sie heißt?” fragte Rumpelstilzchen.
“Weiß denn irgendwer, wie Du heißt?” wunderte sich der Dumme August.
“Also ich finde, im Märchenland darf nur der bleiben, der etwas ganz Besonderes kann!” warf das tapfere Schneiderlein ein.
“Na, das sagt der Richtige” riefen die Riesen im Chor.

“Dann kann sie also gar nichts und muß von hier verschwinden!” sprach König Drosselbart, um das Thema zu beenden.
So war es beschlossen und so sollte es sein.

“Ich könnte das übernehmen” sprach der Wolf.
“Das könnte Dir so passen! Wir wollen sie verjagen und nicht verdauen!” entgegnete der König.
“Vielleicht könnte ich…?” fragte der Knüppel-aus-dem-Sack.
“Klappe!” klapperte Adebar.
“Also ich muß sowieso in der nächsten Zeit ins Menschenreich. Die Großmutter hat eine neue Kaffeemühle und die wollte ich mir ansehen.” brummelte Hotzenplotz.
Die Versammlung beriet weiter, wie man die Rote finden und vertreiben könnte. Auch der Rattenfänger von Hameln bot sich an, die Organisation der Ausweisung zu übernehmen. Er ahnte nicht, dass seine Arbeit nicht mehr vonnöten war.

Denn niemand hatte bemerkt, dass die Rote, die sich auf einem Baum versteckt hatte, alles mitbekommen hatte.
Bestürzt und tief enttäuscht zog sie von dannen, zurück ins Menschenreich.
Sie kannte den Weg!

“Hummmhommmh” brummte der Baum traurig, als sie verschwand.

Plötzlich sauste ein kleines Etwas auf die Versammlung zu. Ein weißes Kanninchen. Es sah verstört auf seine riesige Taschenuhr.
“Mein Gott, ich bin zu spät! Zu spät! Zu spät! Bin ich zu spät?”

“Wie immer!” antworteten Max und Moritz wie aus einem Mund.

“Oh Gottogottogott. Was habt Ihr beschlossen?”

“Die Rote muß verschwinden. Weil sie nichts Besonderes kann! Sie ist eine Gefahr für uns alle!” klärte der König das Kanninchen auf.

“Aber, sie kann doch etwas! Etwas, das wir alle nicht können. Ach wäre ich doch bloß nicht zu spät gekommen.”

Ein großes Gemurmel hob an.
Was kann schon wichtiger sein als zaubern, fliegen und Frösche küssen.

“Also” fragte der König, “was ist es?”

Das Kanninchen antwortete scheu: “Sie kann zwar nicht fliegen und kein Stroh zu Gold spinnen. Aber sie kann etwas viel Bedeutenderes!”

“Jetz aber mal Butter bei die Fische” forderte Ilsebill. “Was kann sie denn so Tolles?”

Das Kanninchen war etwas verunsichert, antwortete dann aber klar und bestimmt:

“SIE KANN GESCHICHTEN ERZÄHLEN!”

“Geschichten erzählen?” fragte es von allen Seiten.

“Sie kann wirklich Geschichten erzählen?”

“Ja” antwortete das Kanninchen, “die schönsten Märchen, die ich je gehört habe”.

“Dann darf sie natürlich hierbleiben. Nein, sie darf nicht, sie muß!” wurde einstimmig beschlossen.

“Herrjeh, sie ist aber schon fort. Sie kam mir entgegen und sah ganz traurig aus! Dass ich aber auch immer zu spät kommen muß!” Das Kanninchen war total am Ende mit seiner Kraft und seinen Nerven.

“Dann müssen wir sie finden! Seit Jahrhunderten hat man uns keine Geschichten mehr erzählt!”

Doch wo sollte man suchen? Das Menschenreich war riesig.
Und wen sollte man mit dieser wichtigen Aufgabe betrauen?
Und wenn man die Rote dann gefunden hätte: womit könnte man sie dazu bewegen zurückzukommen?

Es wurde lange beraten, doch man kam zu keinem Ergebnis.
Bis Rapunzel schüchtern nach vorne trat und sagte:
“Ich gebe Euch meine letzte Packung “Märchenhafte Haarfarbe Luziferrot”. Das wird sie überzeugen!”
Sprach’s und stellte die Packung in die Mitte der Gruppe.

“Bäääh”, riefen alle durcheinander, “das fasse ich nicht an.”
“Das ist ja ekelhaft!”
“Und so rot!”

Und während sie so meckerten, sprach Hans im Glück :

“Ich bringe die Farbe ins Menschenreich! Auch wenn ich den Weg nicht weiß”

Hänsel und Gretel gesellten sich zu ihm:
“Wir werden Dich begleiten. Du hast unsere Kieselsteine!”
“Und meine Stiefel” sprach der Kleine Däumling,
“Und mein märchenhaftes Jugendschutzgesetz” folgte schließlich Sozialarbeiter Willi Busch.

Und gerade als der Zauberer Petrosilius Zwackelmann etwas sagen wollte, kamen Max und Moritz angelaufen:

“Hey, wir kommen auch mit. Oder Ihr werdet uns in einem Sack verschnürt heimschicken müssen. Wie dem auch sei, man braucht Leute mit Verstand für diese Abenteuer-, was auch immer, Geschichten!”

Der Zauberer, dem seine Erleichterung anzusehen war, verkündete:

“Sieben Gefährten sollt Ihr sein! Die “Gemeinschaft der Suchenden” sollt Ihr heißen. Und Du, Hans im Glück, sollst fortan der “Farbenträger” genannt werden. Ich werde meine Boten aussenden, damit sie Euch unterstützen mögen!”

Und er schickte seine geflügelten Helfer aus:
Dumbo flog gen Norden und suchte alles ab; Nils Holgerson machte sich auf nach Westen; Biene Maja summte gen Süden und der Fliegende Holländer segelte in Richtung Osten.
Doch keiner konnte etwas berichten.

Die Gemeinschaft war ratlos. Und so wandte sie sich an Hans.
“Du bist der Farbenträger, Du sollst entscheiden, welchen Weg wir gehen!” sagten sie.

“Die Boten sind weit geflogen. Haben im Süden, Norden, Osten und Westen nichts gesehen. Und hoch oben auch nicht. Dann bleibt nur eine Möglichkeit: unten!
Wir gehen an den Niederrhein! Dort werden wir die Rote finden!” beschloß Hans.

Und so machten sich die sieben Gefährten auf den Weg. Es sollte eine lange Reise werden. Am 35. Mai waren sie aufgebrochen und nun war es schon Herbst.

Über die Sieben Berge waren sie gewandert, durch Rosenhecken hatten sie sich ihren Weg gebahnt, den Brandywein-Fluß überquert und standen eines Tages mitten im Höllenschlund. Dort trafen sie ein paar Rumpelwichte und fragten diese nach dem Weg zum Niederrhein.

“Wiesu wollt Ihr da hin?” gaben sie zurück.
“Wir suchen die Rote?”
“Wiesu denn bluß?”
“Sie ist verschwunden und wir wollen sie zurückholen!”
“Verschwunden? Pfui, pfui, pfui!”
Diese kleinen Wesen schienen keine große Hilfe zu sein. Durch ihr Gezeter hatten sie aber ein strubbeliges Mädchen angelockt, dem die Gefährten die gleiche Frage stellten.

“Was wollt Ihr denn da? Da ist doch nichts zu holen.” wunderte sich Ronja.
“Wir sind uns sicher, dass die Rote dort wohnt.”
“Am Niederrhein? Beim Donnerdrummel, wie lustig! Aber, der Weg ist ganz einfach: Ihr müßt nur dem Pfad da hinten folgen und nach etwa zwölf Tagesmärschen seid Ihr da.”

Und endlich: nach Monaten der Suche erreichten sie am 30. Oktober ein Häuschen in Uedem.

“Nehmt Ihr da sofort die Finger weg!”
Sozialarbeiter Willi Busch konnte gerade noch verhindern, dass Hänsel und Gretel sich an der Fassade zu schaffen machen. Allerdings hatten sie vorher schon das “Zu Verkaufen”-Schild verputzt, das im Garten stand.
“Nein, Hans, Du darfst das Päckchen Haarfarbe nicht gegen einen Maiskolben eintauschen!”
“Max und Moritz, reißt Euch zusammen! Der Däumling wird nicht an diese Katze verfüttert! Das darf ja wohl nicht wahr sein!”
Er überlegte ernsthaft, seinen Job an den Nagel zu hängen.

Die Katze aber fragte:
“Was wollt Ihr denn hier?”
“Wir suchen die Rote! Und wir dachten, sie wohnt hier.” sagte Willi.
“Die Rote wohnt hier nicht…” antwortete die Katze.
Gretel fing an zu weinen: “So war also die ganze Mühe umsonst? Die vielen Monate der Pein und Qual? Die wundgelaufenen Füße und die Wochen des Darbens? Die Zeiten der …”
“Jetzt halt aber mal den Ball flach und laß die Katze weiterreden”, unterbrach Hans im Glück.
Die Katze sprach: “Die Rote wohnt hier nicht mehr. Sie ist umgezogen. Es ist aber nicht weit von hier. Da hinten links, über die Kreuzung, rechts, wieder links, am Felsen rechts und dann das fünfte Haus auf der rechten Seite.”
“Vielen Dank!”, rief Willi, der schon losgerannt war.
“Erste Etage links!” wollte die Katze noch sagen, aber da waren sie schon weg.

Endlich am Ende ihrer Reise angekommen klingelten sie.
Die Tür ging auf und im Rahmen stand:

DIE ROTE!

Und obwohl sie es vorher nicht abgesprochen hatten und eigentlich etwas ganz anderes sagen wollten, riefen plötzlich alle sieben im Chor:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH ZUM GEBURTSTAG SIGI!

Pornology

Oktober 21st, 2007

Jeden Monat bekomme ich den Newsletter von Zweitausendeins. Und manchmal gehe ich nach der Lektüre in die Stadt und kaufe ein Buch, das mir empfohlen wurde. Zugegebenermaßen haben die Schreiber ein Händchen dafür, knackige Sätze als Überschriften zu wählen. Letzten Monat las ich einen Satz von Madonna:
„Ich bevorzuge junge Männer. Sie wissen zwar nicht, was sie tun, aber sie tun es die ganze Nacht!“
Eyecatcher nennt man sowas wohl.

Nun bin ich weit davon entfernt, wissen zu wollen, was Madonna mit jungen Männern macht, die nicht wissen was sie tun, mußte nach einigen Gedankenschweifern aber zugeben: Ja, ich kann mich flüchtig erinnern.
Aber ich komme vom Thema ab.

Vor ein paar Monaten sprang mich der Titel „Pornology“ von Ayn Carillo-Gailey an. „Wasndas“ huschte durch mein Hirn und ich las weiter. „Ein braves Mädchen erkundet die abenteuerliche Welt der Strip-Clubs, Pornokinos, Freudenhäuser und Männermagazine.“ wurde beschrieben.
„Pfuipfuipfui“ dachte ich, „sowas lese ich nicht, bin schließlich ein anständiges Mädchen.“ Den Rest der Buchbesprechung gab ich mir dann aber doch noch. Die Autorin hatte sich entschlossen, die Welt der männlichen, na, nennen wir es mal „Interessen“ kennenzulernen, nachdem ihr Freund sie als „pornophob“ beschimpft hatte („Du liest Pornohefte?“ „Nein, ich „lese“ sie nicht!“).
Sie wollte daraufhin wissen, was sie so machen und was sie so anmacht. Die Herren der Schöpfung. Den Ausschlag, das Buch zu kaufen, gab für mich der Satz: „Auch ein gut informiertes anständiges Mädchen ist immer noch ein anständiges Mädchen!“. Denn ich habe das nie verstanden. Pornofilme, Sex mit Prostituierten, Sex-shows, Gummipuppen etc. Selbst der Erfolg von Magazinen wie „Playboy“ ist mir völlig unverständlich.

Ich kaufte mir also dieses Buch und hoffte auf Erkenntnis.
Um den männlichen Lesern die unnötige Investition zu ersparen: Da sind keine Bilder drin! Nur Text.
Und der ist saukomisch.

Eine völlig unbeleckte (schuldigung) Frau macht sich also auf, dieses fremde Terrain zu erkunden. Die Geschichte beschreibt ihre Recherche für das Buch, das man in Händen hält. Sie macht sich anfänglich eine Liste der Dinge und Orte, die sie für abarbeitungsnötig hält. So wie sie sich jeden Tag in ihrem Leben eine Liste macht.
Milch, Kaffee, e-mails beantworten, Kuchen backen, Liste abhaken …
wird abgelöst von
Sex-Shop besuchen, bei Blow-Job-Seminar anmelden, Vibrator ausprobieren, Sex-Spielzeug-Party organisieren, weizenfreie Waffeln.

Und sie führt die unbedarfte Leserin (also mich jetzt) in eine völlig fremde Welt. Und sie tritt, was sie sehr symphatisch macht, in jedes Fettnapf, das ihr dargeboten wird.
Beim Besuch in einem Sex-Shop reibt sie sich die Lippen mit Erdbeer-Lipgloss ein und wundert sich, dass sie nach kurzer Zeit merkwürdige Blicke erntet. Es handelte sich nämlich mit nichten um ein solches, vielmehr hatte sie sich den Mund mit einer Erektionsverlängerungscreme beschmiert, die sie aussehen lassen wie Angelina Jolie „nach der Hormonbehandlung“. Und das chicke Armband, das sie sich ausgesucht hattte und das etwas zu eng war, gab es nicht größer, denn es war ein Penisring.
Im Laufe der Geschichte ändern sich ihre Lebensgewohnheiten dramatisch.
Wenn sich Besuch ankündigte, mußte sie nicht mehr das Strickzeug, sondern die Filme verstecken.
Auf die Frage: „Kind, worüber schreibst Du denn gerade?“ mochte sie nicht mehr antworten.
Und die Szene, in der der Vibrator-Slip losgeht, weil der Angebetete die Hand dahin wandern liess wo nicht nur das Vergnügen sondern auch der Start-Knopf ist, ist ganz groß.
Oder, dass ihre Mutter genau an dem Abend unangemeldet zu Besuch kommt, als sie eine Sexspielzeug-Party veranstaltet und die kurzsichtige Mama den Vibrator für eine Kuchenrolle hält.
Oder die Szene im Strip-Lokal, in dem sie sich in die erste Reihe setzt (wenn man schon mal da ist), dann für die Show bezahlen muß, aber, da sie nur 20 Dollar in der Tasche hat, der Stripperin zwar den Schein in den Tanga steckt, sich aber das Wechselgeld aus selbigem herausnimmt.
Oder, dass der Kuchenteller beim Blow-Job-Seminar mitnichten für ein Stück Torte bestimmt ist, sondern lediglich als Halterung für den Gummi-Phallus dient.

Oder oder oder.

Nichtsdestowenigertrotz bekommt frau (für Männer ist das Buch wirklich nix) einen interessanten Einblick in die Denke der Männer. Und um die ganze Sache zusammenzufassen zitiere ich noch den Slogan des Sex-Shops, der auf einem großen Schild von der Decke hängt:

„Immer locker bleiben, Es ist nur Sex!“

Der Duft von Hartz IV

Oktober 21st, 2007

 macht den Künstler kreativ

 

Der Begriff “Fördern und Fordern” ist mittlerweile genauso abgelutscht wie “Man muß die Menschen da abholen, wo sie stehen!”. Wo denn? Am Tresen? Im Arbeitsamt? Am Abgrund? Und hat man sie dort abgeholt, dann werden sie gefördert? Und gefordert? Gerade im Zusammenhang mit Hartz IV ist diese Formulierung der reinste Hohn. “Wir fördern Ihren Lebensunterhalt mit 347,- € monatlich und fordern dafür Ihre Selbstachtung, die Aufrechterhaltung eines menschenwürdigen Lebensstandards, Ihre kulturellen Interessen, Ihre geistige Weiterentwicklung und Ihren Stolz.
Tolle Sache das.

Es ist natürlich nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick erscheint. Um den Übergang vom Arbeitslosengeld 1 zu Hartz IV zu erleichtern gibt es den sogenannten Armutsgewöhnungszuschlag. Allein schon das Wort macht mich würgen. Dieser Zuschlag wird über zwei Jahre gewährt. Im ersten beträgt er maximal 160,- € monatlich und im zweiten dann nur noch die Hälfte. Danach ist Schluß und man hat sich bitte gewöhnt.
An die Armut.

Es geht aber auch anders:
Heiratet eine Beamtenwitwe ihren reichen Freund, so werden ihre Pensionsbezüge natürlich nicht sofort gestrichen. Sie werden zwar für die Dauer der Ehe ausgesetzt. So weit, so gut. Damit sie sich aber an den künftigen Wohlstand gewöhnen kann und nicht schon zu Beginn des neuen Lebensabschnittes so ganz ohne was dasteht, werden ihr die Bezüge für die nächsten zwei Jahre ausgezahlt.
Und zwar auf einen Schlag.

Tja und so relativiert es sich dann wieder. Gesamtgesellschaftlich gesehen. Was den einen gekürzt wird, wird den anderen in den Hintern geblasen.

Aber: Hartz IV hat auch seine guten Seiten: es macht kreativ. Nicht unbedingt den Empfänger, doch aber den Künstler. Und was der Künstler so denkt, wenn er “Hartz IV” hört, das können wir jetzt hören und uns was dabei denken.
Ein meiner Meinung nach ausgesprochen gelungener Audio-Beitrag zum Thema ist hier zu finden:

http://www.schueckens.net/index.php/archives/der-duft-von-hartz-iv/2007/09/17/

 

Also: Boxen an und wirken lassen.

Wie bastelt man sich eine Rütli-Schule?

September 17th, 2007

Augen zu und Klappe halten

Nach meinem heutigen Arbeitstag glaube ich, eine Bastelanleitung für Brennpunktschulen geben zu können. Ich meine jetzt nicht: wir haben eine ganz schlimme Brennpunktschule und wollen damit umgehen, sondern:
wir haben sie durchaus in Ansätzen, aber den letzten Schritt kriegen wir auch noch hin.

Ich habe heute zum ersten Male in meiner noch recht kurzen Lehrerlaufbahn einem, mir nur entfernt bekannten, Schüler ein Klappmesser abgenommen. Ich dachte, das macht man so. Siehst Du Messer, nimmst Du weg.

Das Messer einzukassieren und den Vorgesetzten informieren, schien mir der richtige Weg.
Ich war, zugegebenermassen, ziemlich stolz auf mich. Auf dem Pausenhof prahlte ein Schüler in einer größeren Gruppe mit seinem Klappmesser und liess sich auch durch mein Auftauchen nicht beirren (wenn man nur ein bißchen Grips hat, steckt man die Waffe doch spätestens dann weg, wenn ein Lehrer kommt). Ich ging auf ihn zu und sagte:
„Gib mir das Messer!“.
Und erstaunlicherweise gab er. Im Nachhinein vermute ich, er dachte, ich wolle es mir nur ansehen und es bewundern. Ich weiß auch nicht wirklich, was ich getan hätte, wenn er es mir nicht gegeben hätte. Es war kein anderer Kollege in der Nähe, den ich um Hilfe hätte bitten können. Und Leibesvisitationen sind auch nicht mein Ding.

„Ey, die Schlampe hat mich angepackt!“ ist wahrscheinlich noch die angenehmste Variante, die ich hätte erwarten können.

Nun gut, ich sah, nahm und ging ..
… zu meinem Vorgesetzten.

„Das hier habe ich gerade einem Schüler abgenommen!“
Und anstatt mir Rückendeckung zu geben und den Schüler sofort einzubestellen, sagte er nur:
„Wirf es weg, ich hab’ es nicht gesehen!“
„Wie, wegwerfen?“
„Naja, zurückgeben könen wir es ihm ja nicht.“
Mein Frühstück bahnte sich den Weg nach oben, doch bevor es wieder zutage kam, konnte ich noch fragen, ob wir nicht irgendwie darauf reagieren sollten.
„Wie, reagieren?“
„Na, vielleicht den Schulleiter informieren?“
„Der ist heute nicht da!“
„Und dann passiert gar nichts?“
„Was denn?“
„Gespräch, Elternbrief, Schulverweis .. irgendwas?“
Auf mein Drängen und verwirrte Blicke der Kollegen hin, hatte ich meinen Vorgesetzten irgendwann soweit, dass er morgen das Messer zum Schulleiter bringen will. Wahrscheinlich habe ich damit für die nächsten Wochen die Arschkarte, weil ich ihm zusätzliche Arbeit gemacht habe. A14 und dafür noch was tun? Och nöö, lieber nicht. Sind ja eh bald Ferien.

Der Schulleiter wird mit Sicherheit reagieren (ich schätze ihn sehr). Und ich habe mir für die Zukunft vorgenommen, bei ähnlichen Situationen einen Hierarchiesprung vorzunehmen. Gehen Sie nicht über den Vorgesetzten und ziehen Sie keine 2000,- Euro ein. Gehen Sie direkt nach ganz oben.

Ich bin aber immer noch völlig fassungslos.

Nun aber zu meine Anleitung, wie man sich eine Rütli-Schule bastelt:

Immer schön die Klappe halten,
Augen zu,
Hirn ausschalten,
gesunden Menschenverstand zum Arzt schicken
vielleicht mal so ganz vorsichtig. „steck das mal lieber weg, bevor es jemand sieht“ sagen
und immer brav gute Noten geben.

Dann ist man die schwierigen Schüler nach einem Jahr wieder los und es können sich andere mit ihnen herumschlagen.

Ich muß mal kurz auf’s Klo ………..

Gammelfleisch

September 1st, 2007

Zu blöd zum Geldverdienen

 Laut einer Radiomeldung von heute morgen, zahlt man für Schlachtabfälle 30 Cent pro Kilo. Da wittern natürlich manche das ganz große Geschäft. Man muß nur den ganzen Kram aus dem Schlachthof schleusen, quer durch Europa fahren, die Frachtpapiere fälschen, Mitarbeiter bestechen, Daten ändern, alles umetikettieren, einmal durch den Fleischwolf jagen, konspiratve Treffen abhalten …
Und schwuppdiwupp kann man den Müll nur wenige Wochen später für etwa einen Euro pro Kilo an Döner-Spiess-Hersteller weiterverscherbeln (die sich natürlich nicht wundern, dass sie das Fleisch zum halben Preis bekommen). Man denkt, man hätte einen riesen Reibach gemacht und lacht sich ins Fäustchen.
Nur leider hatte man diesen einen Fahrer vergessen, der, von schlechtem Gewissen heimgesucht, oder vielleicht auch einfach, weil er ein guter Mensch ist, die Sache an die Behörden weitergibt. Schlußletztendlich fliegt alles auf, man hört den eigenen Namen in den Nachrichten, die Dinge nehmen ihren Lauf und man selbst sich schlimmstenfalls das Leben (wie letztes Jahr geschehen).

Und immer wenn ich diese Bericht sehe oder höre, denke ich:
“Leute, seid Ihr noch ganz gar in der Birne?”

Ich will hier gar nicht den großen Moralapostel spielen. Dass solche Machenschaften komplett verwerflich, unmoralisch und verabscheuungswürdig sind, steht außer Frage. Was mich aber jedes Mal wundert, ist die Tatsache, dass diese Geschäftsleute nicht einen Funken Verstand zu haben scheinen.

Wenn ich in großen Mengen Schlachtabfälle kaufen würde (und glaubt mir, kaum etwas liegt mir ferner), wüsste ich sehr genau, was ich damit täte. Ich würde mir ein paar Friteusen zulegen, das Zeug für einige Minuten hineinwerfen, es nach dem Abkühlen in speckige Plastikverpackungen stecken, auf meinem Lexmark-Trödel-Drucker häßliche Etiketten drucken und mir eine goldene Nase damit verdienen.

Schweinenasen
Hühnerfüße
Kälberlungen
Schafshufe
Rinderkopfhaut
und Ohrmuscheln
sind ein Quell des Reichtums, wenn man sie richtig zu verkaufen weiß.

Der “Gemeine Hundefreund” zahlt ein Heidengeld für solch Delikatesse. Denn die Preise, die dafür verlangt werden, lassen vermuten, man hätte es mit bestem Kaviar zu tun, der von Stören stammt, die in Champagner gehalten werden.
Wann immer ich im Tierfuttergeschäft bin, schlage ich innerlich die Hände über dem Kopf zusammen, ob der Summen, die da verlangt werden.

200 Gramm Ochsenziemer (und das sind nicht, wie ich bis vor ein paar Jahren dachte, Hinterbeinsehnen. Es sind getrocknete Penisse) gehen für sage und schreibe drei Euro fünfzig über den Ladentisch. Kälberziemer sind noch teurer, aber da braucht es auch mehr Kalb pro Kilo.

Und nun frage ich mich wirklich, wie Fleischhändler so blöd sein können und ein Vielfaches an Geld (Frittieröl ist weitaus billiger als Sprit) in ein Produkt stecken, um hinterher ein Bruchteil an Gewinn zu machen.
Nun ja, ich bin ja nur ein Mädchen und kann auch nicht so gut rechnen, wie die Jungs (hat die letzte Lernstandserhebung bestätigt).

Aber ich würde das anders machen!

schweineohr.jpg